Schlagwort-Archive: amsterdam
Tag 4 (28.08.2011) – Ich seh ja aus wie ein Tourist!!!
Die Läden in Amsterdam haben – ganz wie es das Touriherz wünscht – auch am Sonntag offen. Und so kam es, dass N. und ich an unserem zweiten Abend in Amsterdam auch durch die Straßen schlendern und die Großstadt verunsichern konnten.
Aber fangen wir von vorne an…
N. und ich standen extrafrüh auf, um das Anne Frank-Museum zu besuchen. Zuerst hielt ich das für übertrieben, aber als wir das Museum verließen, verstand ich sie. Denn die Menschenschlange zog sich über mehrere Häuserreihen.
Ich habe das Tagebuch der Anne Frank während meiner Schulzeit lesen müssen und fand es furchtbar. Ich schiebe es auf die Schulliteratur und die Pflicht etwas lesen zu MÜSSEN. An ein Buch, das man auf freiwilliger Basis liest geht man immer viel positiver ran, als an eine Pflichtlektüre. Aber nun möchte ich etwas geschichtliches Wissen aufarbeiten…
Anne Frank war Jüdin. Ihr Vater hatte eine kleine Firma und als sie sich in Frankfurt am Main nicht mehr sicher fühlten, migrierten sie nach Amsterdam. Doch auch die Niederlande wurden immer mehr vom Naziregime beherrscht und so kam es, dass sich Anne und ihre Familie im Hinterhaus der Firma verstecken mussten. Das Haus in dem sie lebte, ist heute noch erhalten und wurde zum Museum umgebaut. Irgendwie fand ich es niedlich und tragisch zugleich, dass Annes Kinderzimmer immer noch erhalten ist. In einem Tagebucheintrag beschrieb sie, wie sie Bilder aus Zeitungen ausschnitt und mit Leim an ihre Zimmerwände klebte. Beim Gang durch das Haus waren noch viele dieser Bildchen erhalten und es führte einem unweigerlich vor Augen, dass dieses Mädchen, dass einen detaillierten und wohl einen der nähsten Berichte, als Jüdin in der Kriegszeit verfasste, dennoch ein Kind war.
Die Häuser in Amsterdam waren sehr schmal und die Treppen waren so steil, dass sie nahezu als Leitern durchgingen.
Nach dem Besuch des Anne-Frank-Museums sind wir an den Hauptbahnhof gegangen um eine Bootstour durch die berühmten Amsterdamer Grachten zu machen. Es regnete sehr und ich sagte mir eine Grippe vorraus, denn ich hatte nur dünne Ballarinas an und wir müssten über 30 Minuten auf unser Boot warten. Als wir dann drin saßen, wurde das Wetter langsam wieder schön und die Amsterdamer Grachten sind wirklich sehr beeindruckend! Natürlich gab es auf dem Boot auch eine kleine Geschichtstour. Man erfuhr über die verschiedenen Brücken, über die Hausboote und über die Gebäude.
Besonders kurios fand ich den Fakt, dass durch die schmalen Häuser (teilweise nur 3 – 6 Meter) Möbel nur schlecht durch das Treppenhaus transportiet werden konnten. Weshalb an den Giebeln Balken mit Haken befestigt worden sind, an denen die Möbelstücke durch die sehr großzügigen Fenster transportiert werden konnten. Auch heute wird das angeblich noch so praktiziert und mir fiel ab diesem Augenblick auch auf, dass wirklich an fast jedem Haus so ein Balken befestigt war.
Da wir so durchnässt waren, sind wir zurück ins StayOkay, wo wir auf unsere neue (schlafende) Mitbewohnerin Raffaella aus Rio trafen. Sie und ihre Freundin Gabriella hatten einiges hinter sich! Ursprünglich wollten sie schon am Vortag in Amsterdam ankommen. Jedoch verpassten sie aufgrund eines verspäteten Zuges um fünf Minuten ihr Flugzeug. Der Check-In wurde gerade geschlossen und es war nicht mehr möglich ihn wieder zu öffnen. Somit mussten die beiden zurück und fragten im Hostel nach, ob ein Zimmer für eine zusätzliche Nacht frei war. Da sie jedoch einen Korb bekamen mussten sie (als Brasilianerinnen, die weitaus wärmeres Wetter gewohnt sind) im kalten London nach einer Bleibe für die Nacht suchen und ein zusätzliches Flugzeug Richtung Amsterdam finden.
Kaum waren N. und ich einigermaßen angekommen schrillte der Feueralarm los und weckte die arme Raffaella. Jedoch war es ein Fehlalarm.
Da sich das Wetter besserte zogen N. und ich wieder los und kauften ein paar Andenken für die Lieben daheim!

Nach unserer Ankunft redeten wir etwas mit Ruth aus England und klärten sie etwas über die Eigenarten der Deutschen und der Franzosen auf.
In der Nacht ging der Feueralarm nochmal los und früh am Morgen verließen uns Ruth und Edith um nach Berlin bzw. Madrid zu gehen.
Tag 3 (27.08.2011) – Warum sprichst du jetzt Englisch mit mir?!?!
Amsterdam hat ein sehr verwirrendes öffentliches Verkehrssystem. Und da eine wunderschöne Baustelle vor dem Hauptbahnhof war, mussten wir erstmal ziel- und planlos herumirren, bevor wir die richtige Straßenbahn gefunden haben.
Unser Amsterdammer StayOkay liegt in einem ehemaligen Schulhaus und wir teilten uns am ersten Tag mit zwei weiteren Mädels (Edith aus Chile und Ruth aus England) das Zimmer. Ruth machte mit ihrem guten Freund Paul eine Reise durchs europäische Festland und Edith kündigte ihren Job in Chile um 5 Monate lang durch Europa zu reisen. Ich fand es toll mit beiden zu quatschen. Sie erzählten uns, was sie gesehen haben und wo sie ihre Reise hinführt. Beide wollten auch nach Berlin fahren und Edith zusätzlich noch nach München aufs Oktoberfest.
Da uns Cheesemarket in Dorwerth viel Negatives über den Vondelpark erzählte, in dem unser Hostel war, wollte ich die erste Nacht innen bleiben, um zu erfahren, was an den Gerüchten dran war. Angeblich sind viele Penner im Park und viele Betrunkene und Drogensüchtige, aber Ruth überzeugte uns davon, dass der Vondelpark okay wäre und die Leute einen in Ruhe lassen, wenn man auf dem Weg bleibt und ihnen nicht in die Augen sieht.
Am Abend stylte sich Edith um auszugehen, während N. gerade mit ihrem besten Freund T. (der auch ein Kollege von mir ist) telefonierte. Edith verabschiedete sich und N. sagte zu ihr “Goodbye. You look really beautiful!”, woraufhin T. etwas verwirrt fragte “Wieso redest du jetzt Englisch mit mir? Und woher weißt du überhaupt wie ich gerade aussehe?” und nicht blickte, dass N. gar nicht ihn meinte. Wir hatten wirklich Spaß an diesem Abend und ich gewöhnte mich auch ans Hochbett, dass ich schon während meiner Grundschulzeit im Schullandheim mied.
Was suspekt war:
Wieso schließt der örtliche BurgerKing erst um 24.30 Uhr???



