Mit diesem wunderbaren Lied von Lucy Lectric möchte ich meinen Artikel einleiten. “Mädchen” war Mitte der 90er eine richtige Hymne. Ich war damals zwar noch keine zehn Jahre alt, aber natürlich hab ich es auch mitgegröhlt, ohne zu verstehen um was es da eigentlich geht.
Und so ging es mir und vielen anderen vermutlich mit vielen Liedern.
Mein heutiger Eintrag soll von Liedern erinnern, die mich an meine Kindheit erinnern.
Vor langer Zeit hab ich dazu schon mal eine Liste erstellt. Aber ich wollte es gern etwas detaillierter machen.
Wie fast jedes Mädchen hatte ich auch eine Boyband auf die ich stand. Ich kannte zwar nur zwei, drei Lieder von ihnen, aber das ist einem mit 9 Jahren egal – hauptsache sie sind schnuckelig und posieren mit niedlichen Tieren! Bei mir war das damals Caught in the Act (auch als “Kotz in die Ecke” bekannt
) und diese Phase war zum Glück sehr schnell vorbei.
Aber ein (inzwischen) 10jähriges Mädchen findet schnell Ersatz und da kam Echt! Echt! erinnert mich ein wenig an Tokio Hotel, fünf blutjunge Jungs, die Gitarre spielen und ihre deutschsprachigen Songs selbst schreiben. Ich kann heute nach wie vor sagen, dass ich Echt! nicht schlecht finde, das sind Texte, die junge Mädchen verstehen und die mit einer gewissen Ironie übertragen werden (“Wir habens getan” – toller Song über Sex
).
Und dann kamen 5ive (auch Five geschrieben). Das war lange Zeit meine absolute Lieblingsband. Die Mischung aus HipHop, Rap, Pop und Rock fand ich total begeisternd. Ich kam von der Schule heim und hab Five gehört, in der Endlosschleife. Ich konnte jedes Lied auswendig und hab auf dem Sofa gesessen und Texte übersetzt. Ich war absolut vernarrt in diese Band. Ich war zwar nie ein Kreisch-Teenager, der geplerrt hat, wenn er “seinen” Star sah und Poster geküsst hat, aber Five war ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich war allgemein vernarrt in Musik und spiele selbst Instrumente und hab als Kind Songs geschrieben. Als 5ive sich getrennt haben (am 27. September 2001) war das für mich total schrecklich! Ich muss auch sagen, dass ich nie wieder anhimmelbaren Ersatz gefunden hab. Aus heutiger Sicht bin ich auch sehr froh, dass ich nie zu den Mädchen gehört habe, die sich die Arme mit den Namen ihrer Lieblinge verziert haben und auf Konzerten Kreischanfälle bekommen haben.
Meine Eltern haben zwar meine Boyband-Phasen geduldet und mir fleißig CDs gekauft, aber es hielt sich alles im Rahmen. Mein Papa hat mich auf Konzerte von Bryan Adams, den Rolling Stones oder Robbie Williams mitgenommen, weil er wollte, dass ich “richtige” Musik höre. Ich hatte nie das Gefühl, dass mir musikalisch was gefehlt hat.
Im Nachhinein kann ich sagen, dass mein Musikgeschmack (trotz männlicher, gutaussehender Dominanz, die eindeutig darauf abzielte von jungen, weiblichen Fans schnuckelig gefunden zu werden) damals schon sehr breit gefächert war. Ich mochte Melanie C sehr gerne oder Gigi D’Agastiono, ich stand auf Kylie Minouge, Oasis, die Prinzen und Blur. Durch meinen Keyboardunterricht lernte ich auch Abba, die Beatles oder die typischen Disco-Kracher, wie Y.M.C.A. oder D.I.S.C.O. kennen.
Meine Blümchen-CDs und Scooter-CDs würde ich heute zwar nicht mehr hören (vielleicht einzelne Lieder, aber nicht alles am Stück), aber inzwischen ist es mir nicht mehr peinlich zu sagen “Meine erste CD war von Blümchen”. Heute finde ich es sogar richtig schön, die Smash!-CDs aus den späten 90ern und frühen 00ern zu hören und ein Lied zu entdecken und zu sagen “Ach ja…das hab ich damals auf Kasette aufgenommen und es stundenlang gehört und wegen diesem Lied hab ich zwei Stunden vorm Radio darauf gewartet, dass es kommt” (war beispielsweise bei “Bring it all back” von S Club 7 so).
Allgemein finde ich die Mixtapes, die ich damals aufgenommen habe und die noch heute in einem Schuhkarton bei mir stehen eine gute Sache. Technoversionen von “Hey Pipi Langstrumpf”, Loonas Sommerkracher “Bailando” oder die ganzen Coverversionen die so “in” waren. Ernsthaft könnte ich das nicht mehr hören (ich hab ja nicht mal mehr einen Kassettenrecorder), aber allein das Stöbern macht Spaß
Zumal ich die Hüllen immer selbst gestaltet hab, mit aufwendigen Grafiken und selbstklebenden Tattoos und sie so nicht nur die Musik dieser Jahreszeit (ich hab alle drei Monate eine Kassette aufgenommen) wiedergespiegelt haben, sondern auch den Stil, der uns durch die Jugendhefte vorgelebt wurde.