Ich hab ja bereit über das weltberühmte Nana meiner Schwester berichtet, aber da gibts natürlich mehrere Geschichten davon.
Die Geschichte des Nanas ist relativ simpel. Meine Mutter trägt sehr gerne Halstücher und Schals – das hat sie auch schon gemacht, als meine Schwester und ich Zwerge waren und meine Schwester hat angefangen die Zipfel dieser Tücher zu schnappen und sie nach und nach zu erobern. Irgendwann haben meine Eltern meiner Schwester dann so ein Tuch gegeben und sie hat es fortan nicht mehr abgegeben. Es gab teilweise sogar redundante Nanas, weil die entsprechend angesabbert waren und ab und an gewaschen werden mussten. Meine Mutter hat die dann meistens über der Heizung getrocknet, dass meine Schwester nicht all zu lange auf ihre Nanas verzichten muss, falls mal kein Zweites zur Hand war.
Meine Schwester hat den oberen Zipfel des Nanas immer in der Faust gehabt, den Daumen dieser Faust im Mund gehabt und mit der Nanaspitze ihre Nase gestreichelt (sie saß wirklich den ganzen Tag da und hat sich diese Tuchspitze unter der Nase rumgerieben – so absurd sich das anhören mag). Und man wird ja auch nicht mit 1,40 m geboren, und da sie das Tuch dann quasi im Querformat vor sich hergeschleppt hat hing die andere Spitze immer am Boden.
Meine Eltern hatten teilweise versucht meine Schwester an Stoffwindeln zu gewöhnen, weil die saugfähiger sind und man sie leichter ersetzen kann (diese Tücher waren ja auch bald zerschlissen, weil meine Schwester nirgends ohne hin ist und die Wind, Wetter, Sabber und Essen ausgesetzt waren), aber diesen Vorschlag hat sie nicht angenommen.
Eine der lustigsten Nana-Geschichten ereignete sich im Sommer 1994, meine Schwester war vier Jahre alt und es war ihre erste Aufführung im Kindergarten. Sie sollte einen Zwerg spielen und hatte zu der Zeit ein stechend pinkes Batik-Nana. Die Zwerge gingen auf die Bühne und meine Schwester trottete am Schluss mit dem Daumen im Mund und dem Nana in der Faust hinterher. Damals war sie noch sehr klein und ich glaube die andere Nanaspitze ist am Boden geschleift. Meiner Mutter war das ziemlich peinlich, aber wie soll man einem vierjährigen Mädchen erklären, dass sie das Tuch jetzt daheim lassen muss?
Abgegeben hat sie das Nana (freiwillig) als sie in die Schule kam. Allerdings hat sie es unter ihrem Kopfkissen versteckt und gedacht meine Mutter findet es nicht. Meine Mutter hat allerdings auch nie erwähnt, dass sie wusste, dass meine Schwester ihr Nana noch jede Nacht bei sich hat. Wann sie es endgültig abgegeben hat, weiß ich nicht.
Ich hingegen hatte einen Schnulli (der hatte keinen besonderen Namen) und mein Vater hat irgendwann festgestellt, dass ich den im Mund rumdrehen kann. Entsprechend hat er mit mir Rekorde im Schnulli-um-die-eigene-Achse-drehen aufgestellt und mich ganz stolz meiner Verwandtschaft präsentiert (so ein Talent muss schließlich gewürdigt werden
).
Meinen Schnulli hab ich mit vier Jahren gegen das Buch die kleine Hexe eingetauscht und ihn danach nie wieder vermisst. Meine Schwester lacht mich heute noch aus, weil ich damals so käuflig war…
