Ich werde sicherlich mal eine nervige Oma, die ihren Enkelkindern erzählen wird, dass sie in ihrer Kindheit kein Internet hatte und den ersten PC mit 14 Jahren hatte und dann nur eine Stunde am Tag ins Internet durfte, weil minutenmäßig abgerechnet wurde. Auch werde ich ihnen erzählen, dass es keine Telefonflats gab und dass wir keine Handys hatten. Um ehrlich zu sein habe ich mich lange geweigert ein Handy zu benutzen, meine Eltern hatten es mir einfach zum 14. Geburtstag geschenkt, weil ich dann auf einer weiterführenden Schule war, die 30 km von meinem Wohnort entfernt war. Es lag dann ausgeschaltet in meinem Rucksack und bis heute hab ich nur ne Prepaidcard und weiß aktuell nicht mal wo mein Handy liegt.
Manchmal vermisse ich diese technikfreie Zeit, denn ich verbinde so viele schöne Erinnerungen damit. Wir sind mit dem Fahrrad losgezogen und haben unsere Klassenkameraden unangekündigt eingesammelt, wer will konnte mit, wer nicht wollte, musste nicht mit. Und dann sind wir in einer Gruppe von drei bis acht Leuten rumgefahren, haben unsere Räder in die Wiese geschmissen und geguckt, wer den Arm am tiefsten in die Zenn stecken kann. Man war kein Außenseiter, weil man kein cooles Handy hatte, sondern wenn man in der Bude hockte, eigentlich das genaue Gegenteil von heute. Im Gegensatz zu allen Mythen, die sich um meine Kindheit rankten, war man nicht Außenseiter, wenn man nicht rauchte, sondern Außenseiter, wenn man nicht deckte. Ich habe noch nie im Leben geraucht, nicht mal gezogen, aber ich stand für die anderen immer Schmiere. Im Nachhinein betrachtet war das, was wir in unserer Kindheit taten wirklich gefährlich, aber darüber dachten wir nie nach.
Als ich etwa zwölf war, fuhren wir an einem dieser Fahrrad-packen-und-Leute-sammeln-Tage zu dritt mit dem Fahrrad zu einer Brücke. Die Fahrräder schmissen wir in gewohnter Manier in die Wiese und meine Freundinnen stellten sich unter die Brücke, wo sie eine Schachtel Zigaretten in einer alten Tupperdose versteckt hatten. Eine hatte ein Feuerzeug von ihrer Tante gemopst und ich stand auf der Brücke und hab Schmiere gestanden. Ich war eine gute Schmieresteherin! Ich hab so getan, als würden wir Verstecken spielen, wenn jemand kam und hab die beiden somit gewarnt. Aber Angst hatte ich trotzdem und gut fand ichs auch nicht, dass sie geraucht haben.
Natürlich bin ich heute zu alt, um einfach mit dem Fahrrad bei meinen Freunden vorbeizufahren und sie abzuholen. Und heute leben meine Freunde auch keine 4 km mehr weg, sondern 40. Aber irgendwie vermiss ich das manchmal…einfach aufzusteigen und völlig planlos zu meinen Freunden zu fahren und wenn der eine nicht Zeit hat, fahr ich halt zum nächsten…
Da wir alle keine Uhren hatten war unsere einzige Vorgabe, die uns unsere Eltern mitgaben, dass wir daheim sein sollte, wenn es dunkel wird. Heute würden sie einfach auf dem Handy anrufen und wüssten sofort wo wir sind. Meine Eltern wussten das nicht und ich bin trotzdem groß geworden XD
Und bevor ichs vergess…ich möchte mein neustes Werk noch mit der Welt teilen…
