Alles fing mit der Frage an, was man einem 81jährigen Mann zu Weihnachten schenkt. Ich entschied mich für eine Eieruhr und einen Gutschein, der ihm zusicherte, dass ich einmal im Monat mit ihm koche.
Es ging also im Januar mit Fränkischem Herrentoast los. Ich dachte mir mein Opa ist fränkisch und mein Opa ist ein Herr, also trifft sich das prima.
Gebraucht haben wir Folgendes (für 6 Brote – wobei ich nach einem und er nach zwei total satt war):
6 Scheiben fränkisches Schwarzbrot (das ist in Restdeutschland Roggenmischbrot)
200 g Hackfleisch
100 g Käse (gerieben)
150 g Mais, Paprika, Lauch, Karotten, Champions etc. (wir hatten nur Mais)
1 Zwiebel
1 Ei
Salz / Pfeffer
1 – 2 TL Paprikapulver
6 Scheiben Scheibletten
1. Käse reiben und die Zwiebel, sowie das Gemüse klein schneiden.
2. Das Hackfleisch mit dem Käse, den Zwiebeln, dem Gemüse und dem Ei mischen.
3. Mit Salz, Pfeffer (wir haben noch Muskatnuss und Knoblauch verwendet), sowie dem Paprikapulver die Hackfleischmasse abschmecken
4. Die Masse auf die Schwarzbrotscheiben streichen.
5. Die Brote bei 200° Ober-/Unterhitze für ca. 15 Minuten backen.
6. Auf jedes Brot eine Scheibe Scheiblettenkäse legen und nochmals fünf Minuten (bei selber Temperatur) backen.
Mein Opa hat auf sein Brot danach nochmal Paprikapulver gestreut, so war es nicht nur lecker, sondern auch furchtbar dekorativ
Also wir beide fanden das Rezept super! Das Brot war schön knusprig, allerdings macht es so schnell so satt…Gut könnte ich es mir auch mit einem Karotten-Apfel-Salat vorstellen…Mein Opa wollte danach das Rezept unbedingt behalten und war richtig begeistert, was es alles im Internet gibt
Aber ich war natürlich nicht nur zum Kochen bei meinem Opa er hat mir auch Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend erzählt. Ich mag seine Geschichten, auch wenn sie oft traurig sind, sehr gerne! Eigentlich ist es faszinierend, dass ein Mann der bloß gut 60 Jahre älter als ich ist in einem so “anderen” Deutschland aufgewachsen ist.
Die Geschichte, die mich heute besonders fasziniert hat, würde ich gerne teilen…
Mein Opa ist im April 1929 geboren und wurde im Mai 1945 eingezogen, also nur knapp nach seinem 16. Geburtstag. Er stand also in seiner Uniform vor einem Oberfeldwebel (oder wie auch immer die wichtigen Kriegsmenschen damals hießen) und wurde direkt wieder ausgemustert. Um ehrlich zu sein, war er darüber sehr froh, weil wie auch sein Vater hat er wenig vom Naziregime gehalten. Daraufhin ging er zu seiner Stiefmutter, die da sie kurz zuvor ein Kind geboren hatte aus Nürnberg evakuiert wurde. Die hat ihm aufgetragen nach Nürnberg zu gehen und zu gucken, wie die lage ist.
Er lief also 56 km zu Fuß von Gunzenhausen nach Nürnberg, da im Mai 1945 die Schienen zerstört waren und er nicht das Geld für ein anderes Verkehrsmittel hatte. In einer kleinen Ortschaft ca. 20 Kilometer von Nürnberg entfernt machte er Rast, um seine Oma abzuholen. Die beiden blieben auch über Nacht in diesem Dorf und machten sich am nächsten Morgen auf. Da seine Oma (also meine Ur-Uroma) krank war, hat er sie in einen Leiterwagen gesetzt und nach Nürnberg gezogen.
Dort angekommen sahen sie das ein Großteil der Stadt zerstört war, fanden aber ihre alte Wohnung noch relativ gut erhalten und schauten dort aus dem Fenster. Als mein Opa sah, dass in den Häusern Lichter brannten wusste er, dass der Krieg vorbei war. Er erklärte mir, dass während des Krieges keine Lichter angemacht worden sind, da die Flieger darauf aufmerksam wurden und wussten “wo Licht ist, ist auch Leben”. Abends wurde man von den Amerikanern angegriffen, morgens von den Briten. Und als er die Lichter sah wusste er, dass es sich nur noch um wenige Tage handeln konnte, denn die Lichter bedeuteten, dass es keinen Fliegeralarm mehr gab. Er erzählte mir auch, dass er von seinem Taschengeld einmal in der Woche ins Kino ging, der Film war ihm egal, er sah dort auch manchmal einfach nur Nachrichten an, hauptsache er war im Kino. Und wenn während der Vorstellung Fliegeralarm war verließ man das Kino, ging in die öffentlichen Luftschutzbunker, um im Anschluss wieder den Kinosaal zu betreten – wenn er noch stand. Der Film ging daraufhin direkt weiter, als wäre nichts passiert.
Mein Opa und seine Oma machten sich also zurück nach Gunzenhausen, um dort seiner Stiefmutter mitzuteilen, dass der Krieg fast vorbei war.
Ich musste diese Geschichte einfach teilen, weil ich das Fazit so schön finde: wenn Licht in den Häusern des durch Krieg zerstörten Deutschlands gebrannt hat, bedeutete das Frieden!