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Minette Walters – Schlangenlinien

Minette Walters – Schlangenlinien

Zugegeben – ich lese momentan eher weniger, weil ich in letzter Zeit über kein Buch mehr gestolpert bin, das mich begeistert.

Vor Kurzem dann hat mir eine Freundin (vielen lieben Dank!) das Buch Schlangenlinien von Minette Walters ausgeliehen. Ich fand “im Eishaus” und “die Bildhauerin” schon sehr toll und entsprechend war der Anspruch hoch.

Inhalt:

Bei Schlangenlinien geht es um die Graham Road, bzw. die ehemalige Graham Road. Das Buch spielt im Jahr 1999 und behandelt einen Mordfall aus dem Jahr 1978 – ein Mordfall also, der mehr als 20 Jahre zurückliegt. Damals lebte die behinderte und schwarze Annie in der Graham Road und wurde auf Grund ihrer Hautfarbe und ihrer Behinderung von der Nachbarschaft gemieden. Nicht nur das, sie wurde sogar von deren Bewohnern gemobbt.
Eines Tages ist sie tot. Sie liegt auf der Straße und für den rassistischen Polizisten steht fest, dass es ein Unfall wird. Der Fall der Annie Butts wird schnell zu den Akten gelegt, obwohl einige, wenige ihrer Bekannter Zweifel an diesem Unfall haben.
Mrs. Rainlagh und ihr Mann Sam kommen sich wegen Annie ziemlich in die Haare und ziehen bis nach Hongkong, doch seine Frau kann Annie nicht vergessen. Sie sah in Annie eine Art Freundin und macht sich daran Briefe, Zeitungsartikel, Polizeiberichte und Krankenakten zu sammeln. Alles, an das sie auf mehr oder weniger legale Art und Weise ran kommt.

Im Jahr 1999 ziehen die beiden mit ihren Söhnen zurück nach England und wie es der “Zufall” so will sogar in die Nähe der Graham Road. Mrs. Rainlagh macht es sich zur Lebensaufgabe Annies Fall zu lösen. Aber die Graham Road ist verworrener als es jede Soap sein könnte. Entsprechend glaubwürdig sind die Aussagen zur Tatnacht. Denn hinter der Kleinstadtfasade stecken Alkoholiker, Affären, Betrüger, Lügner, Vergewaltiger und Diebe. Manch einer gibt zu gestohlen zu haben oder die im Sterben liegende Annie angepisst zu haben. Manch einer gibt eine Affäre zu. In manchen Häusern werden Stücke aus Annies Haus gefunden, während ein Großteil der Graham-Road-Bewohner behauptet, dass Annie nie Geld hatte und auch keine Besitztümer. Angeblich hat sie Katzen verstümmelt, was jedoch bald wiederlegt werden kann. Ein Wirr-Warr aus Lügen, Intriegen und Verschwörungen, das es aufzudecken gilt!

Meinung:

Ich liebe den Schreibstil von Minette Walters! Zugegeben, inhaltlich sind die Geschichten alle etwas ähnlich! Sie gehen an die Grenzen des Psychischen und es tun sich Abgründe des menschlichen Verhaltens auf, die so absurd sind, das man sie fast wieder glaubt! Frau Walters schreibt realistisch und sehr gefühlvoll. Man leidet und ekelt sich mit den Protagonisten, man empfindet Wut, Trauer und Hass mit ihnen, man baut eine Beziehung zu ihnen auf! Trotz das Mrs. Rainlaghs Vorname nie erwähnt wird (in Briefen unterschreibt sie als “M.”, Freunde und Familienmitglieder nennen sie “Darling”, “Süße” oder “Mama”, ehemalige Schüler nennen sie “Mrs. Rainlagh”) baut man eine persönliche Bindung zu ihr auf und sie ist zeitweise die einzige Person in dem ganzen Buch, der man vertrauen mag.

Ich gebe zu – für mich war der Täter bis zu den letzten Kapiteln schleierhaft! Ein spannendes Buch, dass mich bei Laune gehalten hat, gut und flüssig zu lesen ist und bei dem man froh ist, dass die Graham Road nicht existiert.

8,5 von 10 Punkten!

[Buch] Markus Heitz – Ritus

[Buch] Markus Heitz – Ritus

Leider wusste ich beim Kauf von Sanctum nicht, dass das nur der zweite Band von Ritus ist. Auf keinem der beiden Bücher ist ein Hinweis abgedruckt, dass es sich um eine zusammengehörende Geschichte handelt. Also nochmal in den Buchhandel spurten, um mir den ersten Teil – Ritus – für 2,50 Euro zu kaufen. Ein Hoch auf Bücherwühlkisten – ich weiß nicht, ob ich das Buch zum vollen Preis gekauft hätte.

Inhalt:
Wie bei einigen Romanen beinhaltet auch dieser zwei völlig unabhängige Handlungsstränge, die kapitelweise erzählt werden. Zum einen spielt er im Frankreich des 18. Jahrhunderts, wo Jean mit seinen beiden Söhnen, dem zurückgezogenen Pierre und Antoine, dem man pädophile Neigungen nachsagt, lebt. Seit dem Tod seiner Frau hat Jean jedes Vertrauen an Gott verloren. Mit seinen beiden Söhnen streift er nun durch die Wälder Frankreichs und wird aufgrund seiner zurückgezogenen Art von den Dorfbewohnern gemieden und als “Sohn einer Hexe” beschimpft. Jedoch will er sie schützen und erlegt Werwölfe und sogenannte “Wechselwesen”. Bei einem Angriff werden seine beiden Söhne verletzt und Jean versucht das Wolfsgift auszubrennen, mit mäßigem Erfolg. Antoine und Pierre sind nun Werwölfe. Zum Wolf werden sie bei Vollmond, aber auch, wenn sie eine Gier übermannt. Pierre verliebt sich in das Mündel der Äbtistin Georgia. Die beiden kommen sich näher und Jean sicht dem nur ungern zu. Er sucht das Gespräch mit Georgia und diese baut seine Vorurteile gegenüber der Kirche nach und nach ab. Jean fühlt sich fast hingezogen zu ihr, ebenso, wie sie zu ihm. Dann findet Jean ein Schriftstück, das darauf hinweist, dass Georgia von der Existenz eines Werwolfes weiß.

Der zweite Handlungsstrang beginnt in München im Jahr 2004. Eric von Castell, ein junger Mann mit einem Hang zu Frauen, Lackledermänteln und seinem Porsche Cayenne verliert in einem Kampf gegen einen Werwolf nicht nur seinen verwitweten Vater, sondern auch sein zu Hause. Sein Vater, der ihn auf den Kampf vorbereitet hat, vererbt ihm 5 Millionen Euro, sowie eine Vielzahl an Häusern und Wertpapieren.
Jedoch taucht ein französisches Mädchen auf, dass sich als Halbschwester entpuppt und mit ihrem Erbe nicht zufrieden ist, da ihr, laut eigenen Angaben, mehr als “nur” eine Million zustehen.
Eric nimmt eine Spur in Russland auf, die auf einen Werwolf hindeutet. Dabei lernt er die nach Wolf riechende Magdalena “Lena” Haruka kennen, mit der er eine seltsame Beziehung hat. Erst rettet er sie vor unbekannten Männern, die ihren Mentor umbrachten und fährt mit ihr in seine Villa. Als das Gespräch auf die Werwölfe kommt, erklärt Lena Eric für verrückt, übermannt ihn und flüchtet in seinem Cayenne. Dieser verfolgt sie (mit was auch immer…vielleicht kann er ja fliegen) und rettet sie in letzter Sekunde vor einem Werwolfangriff. Nun, da sie an Wechselwesen glaubt, geht sie wieder mit Eric, der auf seine Medikamente verzichtet. Zusammen reisen sie nach Ungarn, wo auch die dubiose Halbschwester, die sich ebenfalls als Werwolfjägerin ausgibt, wieder auftaucht.

Meinung:
Jemand, der unbeobachtet jagen gehen will, sollte das nicht unbedingt in Lederkluft und Porsche machen – meine Meinung, man mag anderer sein. Auch erscheint es mir seltsam, dass Eric ohne Porsche, aber dennoch rasend schnell voran kommt und lange weiß man auch nicht, was es mit seinen seltsamen Medikamenten auf sich hat. In jeder Stadt, in jedem Land, in dem er ist, beherrscht er die Sprache und hat dort eine Villa, sowie einen Cayenne stehen. Seltsam, unverwundbar, aber zugleich unglaublich cool!

Jean und seine Jungs hingegen sind liebevoll ausgearbeitet und sympathisch. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich an ihnen und am Schreibstil, wenig auszusetzen habe. Und das, obwohl ich eigentlich ganz und gar nicht auf Historische Romane stehe. Trotzdem gibt es ein paar Ungereimtheiten. In welchem Turnus verletzt die Bestie Menschen, in welchem infiziert sie Menschen? Auch wundert es mich, dass Georgia frei durch die Welt wandeln kann, wie es ihr grad passt.

Herr Heitz treibt das Buch in einer unglaublich hohen Geschwindigkeit voran. Mit dem Wechsel der Erzählschienen hatte ich keine Probleme, auch wenn mir Erics Geschichte, die mir rein von der Seitenzahl kürzer vorkam als die von Jean, mehr gefiel. Realistisch ist die Geschichte ganz und gar nicht, aber wer erwartet das schon von einem Werwolfroman?…

[Rezension] Karen Joy Fowler – Der Jane Austen Club

[Rezension] Karen Joy Fowler – Der Jane Austen Club

Inhalt: Im Jane Austen Club geht es, wie der Titel bereits sagt, um Jane Austens Bücher. Es ist ein Bücherclub, der den Leser durch die “Wir-Erzählung” direkt mit einbeziehen soll.
In jedem Kapitel trifft man sich bei einem anderen der sechs Clubmitglieder und bespricht ein Austen-Buch. Fünf Frauen und ein Mann. Liebe. Eifersucht. Einsamkeit. Ehe. Stände. Es geht um die zentralen Themen, die auch alle Austen-Werke behandelten, nur eben im 21. Jahrhundert. Irgendwie kennt man das alles schon. Und es hat nicht den Schwung einer Jane Austen.

Eigene Meinung: Dass man, wenn man sich mit einem Namen wie “Jane Austen” schmückt, wohl in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt ist hätte Karen Joy Fowler von anfang an klar sein können. Der größte Fehler war es in meinen Augen dieses Buch zu verfilmen, denn bei einem Leser ist ein Werk über Jane Austens Werke weitaus besser aufgehoben, als beim typischen Kinogänger, der allerhöchstens die Version von Stolz und Vorurteil aus dem Jahre 2004 mit Keira Knightley in der Hauptrolle kennt. Wahrleich kein schlechter Film, aber eben nur ein Film, der den gesellschaftskritischen Aspekt der Austen-Werke übergangen hat.
Zurück zum Buch: es besteht aus sechs Kapiteln, in jedem Kapitel bespricht der “Jane Austen Club” eines der Werke der Autorin. Es beginnt mit Emma, bereits im ersten Kapitel wird man feststellen müssen, dass man sich nur zugern als Mitglied des Jane Austen Clubs sieht und sich gut in die Situation einfühlen kann, aber genauso, wie man sich bei einer Buchbesprechung in der Schule führte, wenn man aus Bequemlichkeit ein Kapitel nicht las, fühlt man sich, wenn man Miss Austens Bücher nicht las: man fühlt sich fehl am Platz und ist verwirrt, da einem jeglicher Zusammenhang fehlt. Ein Glück habe ich Emma – das erste zu besprechende Buch – gelesen, sonst hätte ich das Buch wohl weggelegt.
Die Figuren der Jane-Austen-Welt werden in die heutige Zeit versetzt. Jede Figur im Buch symbolisiert einen Austen-Roman. Jocelyn ist beispielsweise die Kupplerin Emma, die selbst nichts von der Ehe hält.
Die Idee ist gut! Und im Gegensatz zu allen Austen-Filmen wird in diesem Buch die Gesellschaftskritik, die bei Miss Austen lässt allgegenwertig war mit aufgenommen. Zwischen den Zeilen erkennt man, dass nach wie vor eine Ehe standasabhängig ist. Zwar nicht mehr so offensichtlich wie zu Zeiten von Jane Austen, aber eine Ingeneurin heiratet nur selten einen Maler und Lackierer. Wir wollen es zwar nicht öffentlich ablehnen, aber nach wie vor ist es Gang und Gebe, dass der Mann eine beruflich höhergestellte Qualifikation erlernte als die Frau.
Ich mag die Kritik! Ich mag das Buch! Es ist keine leichte Kost zum “nebenherlesen”, es ist vielmehr ein Buch, dass zum Nachdenken anregen soll. Man sitzt auf einem Stuhl im “Jane Austen Club” und fängt an, sich aufgrund der Aussagen der anderen Mitglieder eigene Gedanken zu machen. Teilweise hat das Buch sogar philosophische und psychologische Züge.
Besonders gefallen hat mir der Schlussteil, in dem alle Austenbücher kurz zusammengefasst sind. Es sind Kritiken von Miss Austens Familie dabei, Meinungen, die sie sich selbst zu ihren Büchern einholte. Es sind positive, sowie negative Kritiken anderer Autoren dabei (Mark Twains Zitat, dass er bei jedem Lesen von “Stolz und Vorurteil” das Bedürfnis bekäme, Jane Austens Knochen auszugraben und ihr mit ihrem eigenen Schienbein eins über den Kopf ziehen will ist wohl legendär ), sowie Fragen und Erläuterung zu Miss Austens Büchern und ihrem Leben selbst.
Ein schönes Buch! Leider hätte man jedes, der Jane Austen Bücher lesen müssen, um es vollends genießen zu können. Und irgendwie bleiben die Personen und Protagonisten ziemlich farblos. Die Absätze sind teilweise zusammenhanglos und irgendwie wird man mit dem Buch – obwohl es wirklich schön ist – nicht glücklich.

Details:
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (8. Mai 2007)
Preis: 7,95 €
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Wertung: 5 von 10 Punkten

[Rezension] Nicci French – der Glaspavillon

[Rezension] Nicci French – der Glaspavillon


Inhalt: Die Architektin Jane will sich von ihrem Mann Claude scheiden lassen. Alles läuft in Frieden ab und die beiden gehen gemeinsam zum jährlichen Pilzesammeln auf dem Anwesen von Claudes Eltern Alan und Martha. Um der Familie ein Abschiedsgeschenk zu machen lässt Jane auf dem Anwesen ihres Schwiegervaters einen Pavillon aus Glas errichten und bleibt dem Pilzesammeln fern, um die Bauarbeiten zu beobachten. Jedoch kommen die Arbeiter nicht weit, denn nur ein paar Zentimeter unter der Erde befand sich ein menschliches Skelett. Für die Familie besteht kein Zweifel: es ist Natalie, die mit 16 Jahren verschwunden ist. Fortan wird die Geschichte der Familie Martello beleuchtet. Claude, seine drei Brüder, Alan und Martha, Janes Bruder Paul und der Vater der beiden. Ehemalige Klassenkameraden, sowie Kinder und Enkelkinder.

Im Verlauf der Geschichte begibt sich Jane in die Hände des Therapeuten Alex um mit dem erlebten fertig zu werden. Sie freundet sich mit der Polizistin Helen an und nährt sich ihrem Mann Claude wieder an. Sie lernt neue Männer kennen und deckt den Mord an Natalie, ihrer ehemals besten Freundin, auf.

Eigene Meinung: Anfangs tat ich mich sehr schwer mit diesem Buch. Die Parallelen zu Minette Walters’ “Im Eishaus” lassen sich nur schwerlich ignorieren (Leichenfund nach mehreren Jahren auf dem Grundstück auf dem ein Familienmitglied verschwunden ist, Polizeiermittlungen, Familiendramen, weibliche, getrennt lebende, 40jährige Protagonistin mit Kindern anfang 20). Ebenso hat das Buch diverse Ähnlichkeiten mit Stieg Larssons’ “Verblendung” (die Millenium-Reihe ist zwar viel später als der Glaspavillon erschienen, da ich “Verblendung” jedoch früher las musste sich “Der Glaspavillon” aufgrund der Parallelen damit messen: gut angesehene Großfamilie, die “Leichen” im Keller versteckt). Leider muss ich sagen, dass der Glaspavillon weder den erfrischend sarkastischen Ton wie “Im Eishaus” noch die gruselige Stimmung wie bei der “Millenium-Trillogie” aufrecht erhalten kann. Das Buch liest sich flüssig, jedoch verwirren die vielen unterschiedlichen Familienmitglieder und Freunde am Anfang sehr. Drei Generationen zweier Familien werden beschrieben, beleuchtet und beobachtet, was wahrlich nicht leicht nachzuvollziehen ist. Immer wieder taucht ein neuer Bruder, ein neuer Onkel eine neue Cousine auf und ihr Charakter wird angerissen. Zum einen macht es das Buch unglaublich spannend, denn jeder könnte der Mörder sein, zum anderen macht es ca. 200 Seiten überflüssig, denn nur einer kann der Mörder sein. Dennoch war das Buch sehr spannend zu lesen, man hat mitgefiebert und mit Jane mitgefühlt. Der Mörder wird bereits gut 150 Seiten vor Ende entlarft. Mein Anfangsgedanke war: jetzt ist es aus! – was passiert die nächsten 150 Seiten? – Doch das Autorenpaar Nicci French löste auch dieses Problem. In meinen Augen: auf jeden Fall lesenswert! Ein netter Krimi, der sehr in die Psyche des Menschen geht und mich an einer Stelle sogar zum Weinen brachte.

Wertung: 7 von 10 Punkten

Details:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (1. April 1999)
Preis: 9,00 €uro
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